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Das EurSafety-Health-Net Projekt

Projektinhalt und -hintergrund

Eine der Schlüsselprioritäten der Europäischen Union ist es, den EU-Bürgern Mobilität zu ermöglichen. Das betrifft nicht nur die Bereiche Wirtschaft und Tourismus, sondern in zunehmendem Mass auch das Gesundheitswesen, da immer mehr Patienten den Weg über die Grenzen suchen und finden. Nachdem die primären Hindernisse, wie Unterschiede der Gesundheitssysteme, unterschiedliche Finanzierungs- und Sozialversicherungssysteme mithilfe gegenseitiger Abkommen weitgehend gelöst wurden, ist heutzutage der Unterschied in der Qualität der Gesundheitsversorgung einer der wichtigsten Faktoren, der die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung limitiert. Exzellente Gesundheitsversorgung geht daher Hand in Hand mit höchster Qualität in der Behandlung.

Das höchste Gut in der medizinischen Versorgung ist die Patientensicherheit und damit auch der Schutz vor Infektionen. Damit ist zum einen die Infektionsgefahr mit Erregern wie EHEC gemeint, zum anderen müssen Patienten aber auch vor Infektionen geschützt werden, denen sie behandlungsbedingt ausgesetzt sind (z. B. durch Erreger mit Antibiotikaresistenz). Hierzu gehören vor allem die bekannten methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), aber auch andere gegen Antibiotika resistente Erreger, wie ESBL (Extended-Spectrum Beta-Laktamase-Bildner) oder VRE (Vacomycin-resistente Enterokokken).

Für alle genannten Keime gibt es häufig nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Antibiotikatherapie. In jüngster Zeit zeigt sich in Deutschland – auch aufgrund starker Anstrenungen – eine Stabilisierung der MRSA-Rate in Krankenhäusern auf mittlerem Niveau, trotzdem bleiben die Prävalenzraten benachbarter Länder bis zu 20-mal niedriger. In den Niederlanden hält sich der Anteil seit Jahren stabil auf 1–3 Prozent.

In Deutschland infizieren sich bis zu 600.000 Patienten jährlich bei einer medizinischen Behandlung im Krankenhaus. Bis zu ein Drittel aller dieser Infektionen lassen sich durch verbesserte Infektionsprävention verhindern. Aber auch gegen die unvermeidbaren Infektionen gibt es eine Lösung. Durch Vermeidung der Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern, kann sichergestellt werden, dass diese unvermeidbaren Infektionen, zumindest noch therapierbar bleiben. In Deutschland gilt seit August 2011 ein neues Infektionsschutzgesetz. Es verpflichtet alle Bundesländer, eine Krankenhaushygiene-Verordnung zu erlassen. Ausserdem sind damit die bestehenden Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für alle gesundheitlichen Einrichtungen bindend.

Obwohl sich die MRSA-Raten im Krakenhaus stablisieren, gewinnen aber auch MRSA-Infektionen, die nicht im Krankenhaus erworben werden, zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es zum einen um die sogenannten ca-MRSA (community aquired) und zum anderen um die la-MRSA (livestock associated). Ca-MRSA sind in der Lage auch bei gesunden Menschen ausserhalb von Krankenhäusern schwere Infektionen zu verursachen, die in einigen Fällen tödlich enden können (z. B. nekrotisierende Pneumonien). La-MRSA kommen bei landwirtschaftlichen Nutztieren oder in der Tierzucht vor. Ein erhöhtes Risiko, mit la-MRSA besiedelt zu werden, weisen Personen auf, die häufig Kontakt mit Nutztieren haben. Das sind vor allem Landwirte und Tierärzte, aber auch Schlachthofpersonal. Diese beiden Formen der ausserhalb von Krankenhäusern erworbenen MRSA-Infektionen haben in den letzten Jahren weltweit deutlich zugenommen. Dramatisch jedoch zeigt sich die Entwicklung bei einer anderen Gruppe von Erregern, den so genannten ESBL. Diese gehören zu verschiedenen anderen Bakterienspezies, die vornehmlich im Darm von Menschen und Tieren leben und genauso wie die MRSA meist erst dann zu einem Problem werden, wenn der sie tragende Mensch, im Krankenhaus behandelt, beatmet wird oder ein geschwächtes Immunsystem hat. Diese Erregergruppe nimmt momentan europaweit dramatisch zu. Dies betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch die Niederlande. In den Niederlanden zeigen erste Studien, dass bis zu 10 Prozent aller Patienten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden, Träger solcher ESBL sind und ein Risiko einer Infektion haben und den Erreger zusätzlich auf andere Patienten übertragen können.

Bei den ESBL zeigt sich, dass die Kontrolle des Einsatzes von Antibiotika in der Humanmedizin nicht ausreicht, um das Problem der Antibiotikaresistenzen in den Griff zu bekommen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Tiermedizin und der Landwirtschaft zur Entwicklung neuer Präventions- und Therapiekonzepte ist hier dringend erforderlich! Dies gilt auch für andere Erreger, die als sogenannte Zoonosen (vom Tier stammend) bekannt sind. Im Frühjahr 2011 verursachte der EHEC-Erreger einen der grössten Infektionsausbrüche weltweit. Mehr als 800 Menschen erkrankten an einer schweren Verlaufsform der EHEC-Infektion, dem so genannten Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS), mindestens 50 Menschen verstarben. Obwohl die primäre Infektionsquelle gefunden wurde, bleibt das eigentliche Reservoir, aus dem der Erreger eigentlich stammte und aus dem er wieder auftauchen kann, unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass auch dieser Erreger aussergewöhnlicherweise ein ESBL war. Ungewöhnlich, weil EHEC eigentlich nicht mit Antibiotika therapiert werden. Der Erreger hat jedoch mit Sicherheit Kontakt zu Antibiotika gehabt. Die Antibiotikaresistenz kann ihm einen Vorteil bei seiner Ausbreitung verschafft haben.

Andere Infektionen, die im Zentrum der Aktivitäten des Projektes liegen, werden durch Viren verursacht. Hier sind neben der Influenza und der Hepatitis E, vor allem die jährlich wiederkehrenden Noroviren zu nennen, die immer häufiger Ausbrüche von Erbrechen und Durchfall bei Menschen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen verursachen. Auch hier sind der Aufbau von gemeinsamen Surveillance-Systemen, das Verständnis der Übertragungswege und verbesserte Nachweismethoden von grosser Bedeutung, um zukünftig solche Infektionen frühzeitig zu entdecken und an ihrer Ausbreitung hindern zu können.